Pete Mijnssen, Verlagsleiter Velomedien AG
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(pete.mijnssen@velomedien.ch)
Branche,
26.03.2026
Es ist eine weitere Hiobsbotschaft für die Eurobike, nachdem Branchen-Schwergewichte ihr schon den Rücken gekehrt haben: zuerst Bosch E-Bike Systems, dann der Elektrovelohersteller Riese & Müller und kürzlich der Velogigant Shimano. Sram, DT Swiss, Scott, Fox und grosse Konzerne wie die Accell Group, PON Bike, Trek, Merida und die ZEG glänzten 2025 bereits mit Abwesenheit.
Die Eurobike in Frankfurt war bislang die unangefochtene globale Leitmesse der Velobranche. Doch diesen Status droht sie endgültig zu verlieren. Nach der rekordmässigen Cyclingworld Europe dürften die Veranstalter noch mehr ins Schwitzen gekommen sein. Insider rechnen dennoch nicht damit, dass die Eurobike verschwinden wird. Noch nicht.
Die Messe in Düsseldorf lockte zwar mit viel Charme, Diversität und Innovation die Massen an. Aber eine Branchenveranstaltung ist sie – und will sie (noch) nicht sein. Dennoch kommt ihr Erfolg für Frankfurt sehr ungelegen und trägt weiter zum angeschlagenen Ruf der bisherigen Leitmesse bei. Der Eurobike-Umzug vom ländlichen Friedrichshafen nach Frankfurt war 2022 schon von eingefleischten Fans mit Argwohn betrachtet worden. Dennoch gaben diese und mit ihnen die Branche dem neuen Standort eine Chance.
Fast 30 Jahre lang fand die Eurobike am Bodensee statt und wurde dort von der Kult- zur internationalen Leitmesse. Am Ende und nach atemberaubendem Ausbautempo stolperte sie über den eigenen Erfolg und zerbrach an den divergierenden Ansprüchen der Fahrradbranche. War sie ursprünglich eine reine Mountainbike-Schau, dominierten zuletzt die grossen E-Bike-Hersteller und asiatischen Zulieferer. Damit hatte die Messe schon am angestammten Ort ihren Zenit überschritten.
Frankfurt kannte diese Probleme und lockte mit verbesserter Infrastruktur. Den Turnaround hat die Messe nicht geschafft. Im Gegenteil: Auch in Frankfurt sind die Hotels teuer, die Messestände sowieso. Die Eurobike sei eine entseelte Version ihres früheren Erfolgs geworden, monieren Kritiker. Kein Wunder, dass immer mehr Firmen ab einer bestimmten Grösse dazu übergegangen sind, eigene Formate in Form von Hausmessen anzubieten, wo sie Händler ohne Aufmerksamkeitswettbewerb an sich binden können.
Die Cyclingworld in Düsseldorf springt da in eine Lücke. Ihr Charakter als Werkschau ist Chance und Charme zugleich, könnte aber auch zur Herausforderung werden. Etwa dann, wenn ihre jetzige Grösse zur Verpflichtung wird. Man wird genau hinschauen, wie sie sich entwickelt. Noch hat sie nicht das Format einer Eurobike, aber sie gräbt Frankfurt weiter das Wasser ab. Wie stark, wird man im Sommer sehen.
Schon jetzt ist klar: Wenn die Eurobike überleben will, muss sie sich neu erfinden. Kleine Schritte in diese Richtung wurden bereits gemacht. Mit günstigen Standflächen etwa will man Entwickler und Erfinder anlocken und für die Stimmung sorgen, welche die Velofans in den letzten Jahren vermisst haben. Die To-do-Liste ist aber noch lang. Man darf gespannt sein.

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