Aline Kuenzler
,
Autorin
(aline.kuenzler@velojournal.ch)
News,
19.12.2025
Unter dem frisch eröffneten «Haus zum Falken» steht sie nun also, Zürichs neueste Velostation. Rund dreieinhalb Jahre nach Baubeginn ist die Anlage beim Bahnhof Stadelhofen am 12. Dezember offiziell eröffnet worden. Ein Projekt, das Politik, Stadtentwicklung und private Partner über fast zwei Jahrzehnte hinweg beschäftigt hat.
In ihrer Begrüssung sprach Stadträtin Simone Brander von einem Meilenstein für die Veloförderung. André Odermatt, Vorsteher des Hochbaudepartements der Limmatstadt erklärte: «Hier lösen wir ein echtes Problem. Velofahrende können ihr Velo nun trocken und sicher abstellen – genau dort, wo es besonders gebraucht wird: Am Bahnhof.» Die neue Velostation umfasst drei Geschosse mit rund 800 Abstellplätzen und ist direkt mit dem Bahnhof Stadelhofen verbunden. Vor Ort war auch Frederick Widl von AXA Schweiz, der Eigentümerin des Neubaus.
In seiner Rede nahm Odermatt das Publikum mit auf eine kleine Zeitreise. Denn dass die Velostation heute Realität ist, hat eine lange politische Vorgeschichte. Der Stadtrat erläuterte, wie er diese Station als Gemeinderat vor rund 20 Jahren gefordert hatte . «Velofahren ist das eine – das Parkieren das andere», sagte Odermatt. Besonders bei Bahnhöfen sei das Manko lange gravierend gewesen, am Stadelhofen zeitweise «absolute Mangelware». Gemeinsam hatte er damals mit dem heutigen Finanzvorstand Daniel Leupi eine Motion eingereicht, um den akuten Mangel an diebstahlsicheren Veloabstellplätzen rund um den Bahnhof Stadelhofen zu beheben.
«Velofahren ist das eine – das Parkieren das andere»
André Odermatt
Lange blieb unklar, wo ein solches Projekt überhaupt realisiert werden könnte. Erst mit dem geplanten Neubau der AXA an der Kreuzbühlstrasse ergab sich eine realistische Lösung. Die AXA sei von Beginn an offen für eine kooperative Planung gewesen. Möglich wurde das Projekt über einen privaten Gestaltungsplan, der den Neubau des «Haus zum Falken» erlaubte und gleichzeitig die Integration der Velostation sicherstellte. Die zwei Jahrzehnte, zwischen Motion und Eröffnung zeigten auf, wie wichtig langfristiges Denken und Durchhaltevermögen in der Stadtentwicklung seien, so Odermatt.
Der Bau des von Santiago Calatrava entworfenen Gebäudes vollendet zugleich das von ihm gestaltete Bahnhofsensemble. Stadt- und Gemeinderat waren sich einig, dass sich hier eine «einmalige Chance» für eine öffentlich-private Partnerschaft biete. Die Stadt konnte dabei einen Mehrwertausgleich von 1,55 Millionen Franken erwirtschaften.
Mehrfach wurde am Anlass die städtebauliche Bedeutung des Projekts betont. Das «Haus zum Falken» verleihe dem Ort ein unverwechselbares Gesicht – ikonisch, ähnlich wie der Bahnhof selbst. Gleichzeitig habe man von Anfang an auf einen öffentlichen Mehrwert geachtet. So wurde die Fassade zurückversetzt, um Platz für zu Fuss Gehende zu schaffen. Zugleich wird der Durchgangsverkehr im Bereich Kreuzbühl/Falken reduziert, Neupflanzungen von Bäumen sind geplant.
So gross die Freude über die neue Velosttion ist: Der Zugang zur Anlage ist derzeit noch nicht optimal. Velofahrende müssen aktuell einen Übergang über Tramgleise mit einem rot markieren Wartebereich nutzen, gegen den es Einsprachen gab. Brander erklärte, dass intensiv an einer besseren Lösung gearbeitet werde.
In die Velostation gelangen Nutzende mit dem neuen Zutrittssystem «Velocity» mithilfe von Swisspass oder Smartphone. Dieses System soll Anfang 2026 auch in den Velostationen Oerlikon und Europaplatz eingeführt werden. Für 50 Franken pro Jahr gibt es ein Abo, das alle drei Standorte umfasst . «Ein unschlagbares Angebot», wie Odermatt kommentierte.
Für Simone Brander ist die neue Velostation Teil eines grösseren Ganzen: Velovorzugsrouten, der Stadttunnel, der Ausbau des Bahnhofs mit einem vierten Gleis – all das erhöhe die Nutzung und mache modulare Mobilität erst möglich. Bahnhöfe seien dabei Schlüsselorte für die Veloförderung.
Am Ende blieb bei der Eröffnung der Eindruck, dass hier nicht nur eine Velostation eröffnet wurde, sondern ein lange gereiftes Stück Stadtentwicklung seinen Abschluss findet.

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