Aline Kuenzler
,
Autorin
(aline.kuenzler@velogisch.ch)
News,
24.11.2025
Ein unter Velofahrerinnen bekanntes Sprichwort rät im Falle einer Panne: «Wer sein Rad liebt, der schiebt». Am besten direkt in eine der vielen offenen Velowerkstätten! Ob im Gemeinschaftszentrum mitten in Zürich, in einem Basler Makerspace oder im DIY-Kollektiv in Fribourg: Schweizweit gibt es Orte, an denen Menschen zusammenkommen, um Velos wieder flottzumachen.
Die Organisationsformen dieser offenen Werkstätten sind so vielfältig wie die möglichen Defekte an einem Velo. Da gibt es gemeinnützige GZ-Werkstätten mit freiwilligen Helferinnen, kreative Vereinsräume wie die MacherSchaft oder das Freiwerk Basel, solidarische Kollektive wie Pignon sur Strass, aber auch professionelle Shops wie Veloplus, die eine kostenlose Kundenwerkstatt anbieten.
Allesamt haben sie ein niedriges Preisniveau gemeinsam. In vielen Werkstätten schraubt man für wenige Franken pro Abend, manchmal sogar ganz gratis. Vielerorts müssen lediglich Ersatzteile berappt werden. Diese sind teilweise neu oder gebraucht in den Werkstätten an Lager.
Bei Pignon sur Strass kostet der Werkstattbesuch beispielsweise fünf bis zehn Franken, Veloplus verlangt kein Entgelt, sofern eine Kundenkarte vorgewiesen werden kann, und im Freiwerk ist alles über eine günstige Mitgliedschaft zugänglich. In vielen Werkstätten gehört Anleitung und Unterstützung von mehr oder weniger fachkundigen Personen dazu.
Von Zürichs Quartierzentren über die Basler Werkhof-Ecken bis hin zur Kulturfabrik in Fribourg – die offenen Werkstätten liegen oft da, wo das Leben pulsiert. Ihre Zugänglichkeit ist genauso entspannt: Viele Werkstätten haben fixe Öffnungszeiten am Abend, andere sind Mitgliederräume, die mit einem Badge genutzt werden können. Reinschauen aus Neugierde ist meist ausdrücklich erwünscht.
Hinter den Werkbänken und Montageständern stehen Personen, die es lieben, wenn Dinge repariert statt weggeworfen werden. Sie schätzen nicht nur Velos, sondern auch Menschen: Freiwillige, Vereine, Aktivistinnen, aber auch Institutionen wie Kulturzentren oder städtische Einrichtungen. Sie alle sorgen dafür, dass nicht nur die Hände ölig, sondern auch die Atmosphäre warm und die Tipps ehrlich sind.

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Passionierter Velofahrer, Nerd und Rahmenbauer: Stefan Süess hat sich dem Zweirad verschrieben und baut Titanrahmen in Handarbeit. Beim Besuch in seiner Werkstatt zeigt er «seine kleinen Freuden».
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